Zu verstehen, welche Hände du preflop spielen solltest, ist die Fähigkeit mit dem größten Hebel, die du als Pokerspieler entwickeln kannst. Jede Session, jedes Turnier, jedes Cash Game beginnt mit derselben grundlegenden Frage: Soll ich diese Hand spielen? Ein solides Verständnis des Starthände-Rankings bewahrt dich vor teuren Fehlern und legt das Fundament für profitables Poker. In diesem Guide schlüsseln wir alle 169 einzigartigen Starthände auf, ordnen sie in klare Tiers ein und zeigen dir, wie die Position alles verändert.

Die 169 einzigartigen Starthände

Ein Standarddeck mit 52 Karten ergibt 1.326 mögliche Zwei-Karten-Kombinationen. Da die Farben preflop für die absolute Handstärke austauschbar sind, reduzieren sich diese 1.326 Kombinationen auf nur 169 strategisch einzigartige Starthände. Diese Hände werden traditionell in einem 13x13-Raster dargestellt, der sogenannten Hand-Matrix.

So liest du die Hand-Matrix

Die Hand-Matrix folgt einer klaren Logik:

  • Die Diagonale (von oben links nach unten rechts) enthält alle 13 Pocket Pairs: AA, KK, QQ, JJ, TT, 99, 88, 77, 66, 55, 44, 33, 22.
  • Oberhalb der Diagonale (rechtes oberes Dreieck) stehen alle Suited-Hände, markiert mit dem Suffix „s“ (z. B. AKs für Ass-König suited).
  • Unterhalb der Diagonale (linkes unteres Dreieck) stehen alle Offsuit-Hände, markiert mit dem Suffix „o“ (z. B. AKo für Ass-König offsuit).

Suited-Hände haben rund 3-4% mehr Equity als ihre Offsuit-Pendants, weil sie Flushes machen können. Dieser Unterschied ist durchaus relevant, wird von Anfängern aber oft überschätzt.

Tipp:

Profi-Tipp: Die Hand-Matrix ist das wichtigste Werkzeug im Arsenal jedes Preflop-Spielers. Wenn du dir einprägst, welche Zellen zu welchem Tier gehören, triffst du deine Entscheidungen am Tisch deutlich schneller.

Die komplette 13x13 Hand-Matrix

Unten siehst du die vollständige Starthände-Matrix, farblich nach Handstärke codiert. Grüne Zellen sind Premium-Hände, die du fast immer spielen solltest, hellgrüne sind starke Hände, goldene sind in den richtigen Spots spielbar, und graue Hände sind in der Regel Folds.

AA AKs AQs AJs ATs A9s A8s A7s A6s A5s A4s A3s A2s
AKo KK KQs KJs KTs K9s K8s K7s K6s K5s K4s K3s K2s
AQo KQo QQ QJs QTs Q9s Q8s Q7s Q6s Q5s Q4s Q3s Q2s
AJo KJo QJo JJ JTs J9s J8s J7s J6s J5s J4s J3s J2s
ATo KTo QTo JTo TT T9s T8s T7s T6s T5s T4s T3s T2s
A9o K9o Q9o J9o T9o 99 98s 97s 96s 95s 94s 93s 92s
A8o K8o Q8o J8o T8o 98o 88 87s 86s 85s 84s 83s 82s
A7o K7o Q7o J7o T7o 97o 87o 77 76s 75s 74s 73s 72s
A6o K6o Q6o J6o T6o 96o 86o 76o 66 65s 64s 63s 62s
A5o K5o Q5o J5o T5o 95o 85o 75o 65o 55 54s 53s 52s
A4o K4o Q4o J4o T4o 94o 84o 74o 64o 54o 44 43s 42s
A3o K3o Q3o J3o T3o 93o 83o 73o 63o 53o 43o 33 32s
A2o K2o Q2o J2o T2o 92o 82o 72o 62o 52o 42o 32o 22

Premium Stark Spielbar Marginal / Fold

Das Hand-Ranking nach Tiers

Nicht alle Starthände sind gleich stark. GTO-Solver und Jahrzehnte an Pokertheorie haben eine klare Hierarchie etabliert. Wer diese Tiers verinnerlicht, trifft schnelle und präzise Preflop-Entscheidungen, ohne für jede Hand in einem Chart nachschlagen zu müssen.

Tier 1: Premium-Hände

Das sind die Hände, auf die jeder Spieler hofft. Sie sind aus jeder Position profitabel und sollten fast immer aggressiv gespielt werden:

  • AA (Pocket Aces) – Die beste Starthand im Poker. ~85% Equity heads-up gegen eine zufällige Hand.
  • KK (Pocket Kings) – Die zweitbeste Hand. Verliert preflop nur gegen AA. ~82% Equity gegen eine zufällige Hand.
  • QQ (Pocket Queens) – Extrem stark, verlangt postflop aber etwas mehr Fingerspitzengefühl.
  • JJ (Pocket Jacks) – Wird oft falsch gespielt, bleibt aber eine Premium-Hand mit ~77% Equity gegen eine zufällige Hand.
  • AKs (Ass-König suited) – Die beste Hand ohne Paar. Hervorragende Spielbarkeit mit Flush- und Straight-Potenzial.
  • AKo (Ass-König offsuit) – Etwas schwächer als AKs, aber immer noch eine Premium-Hand zum Raisen.
  • AQs (Ass-Dame suited) – Stark genug für jede Position und ein hervorragender 3-Bet-Kandidat.

Diagramm: Pocket Aces (AA) als stärkste Poker-Starthand

Pocket Aces (AA) – die beste Starthand im Poker

Hinweis:

Wichtige Erkenntnis: Premium-Hände machen nur etwa 2,6% aller ausgeteilten Hände aus. Geduld ist entscheidend – du bekommst diese Hände selten, aber wenn du sie bekommst, solltest du den maximalen Value herausholen.

Tier 2: Starke Hände

Diese Hände sind stark genug für einen Open-Raise aus den meisten Positionen und kommen häufig in 3-Bet-Pötten zum Einsatz:

  • TT, 99 – Mittlere Pocket Pairs mit guter Equity, aber schwierigen Postflop-Spots auf hohen Boards.
  • AJs, ATs – Starke Suited Aces mit Straight- und Flush-Potenzial.
  • KQs, KJs – Suited Broadway-Hände, die viele Flops gut treffen.
  • AQo – Nach AKo die beste Offsuit-Hand ohne Paar.

Tier 3: Spielbare Hände

Diese Hände werden unter den richtigen Bedingungen profitabel – typischerweise aus später Position oder in Single-Raised-Pötten:

  • 88, 77, 66 – Kleine bis mittlere Pocket Pairs. Mit tiefen Stacks profitabel fürs Set-Mining.
  • Suited Connectors (T9s, 98s, 87s, 76s, 65s, 54s) – Hervorragende Spielbarkeit dank Straight- und Flush-Draws.
  • Suited Aces (A9s-A2s) – Das Nut-Flush-Potenzial macht sie zu wertvollen Bluff- und Semi-Bluff-Händen.
  • Suited Broadways (QJs, QTs, JTs) – Gute Postflop-Spielbarkeit in Position.

Tier 4: Marginal / Fold

Diese Hände sind in der Regel unprofitabel. Selbst aus später Position solltest du die meisten davon folden, sofern du keinen konkreten exploitativen Grund hast, sie zu spielen:

  • Niedrige Offsuit-Hände – Q7o, J6o, T4o und schlechter. Diese Hände treffen postflop selten etwas Brauchbares.
  • Unverbundene Suited-Hände – K3s, Q4s, J5s. Suited zu sein macht aus einer grundlegend schwachen Kartenkombination keine spielbare Hand.
  • Schwache Offsuit-Asse – A8o und schlechter werden zu oft dominiert, um profitabel spielbar zu sein.

Wie die Position deine Starthände beeinflusst

Die Position ist der wichtigste Einzelfaktor bei der Frage, welche Starthände du spielen solltest. Dieselbe Hand kann auf dem einen Sitz ein klarer Fold und auf dem anderen ein profitabler Open sein. Für einen tieferen Einstieg ins Positionsspiel wirf einen Blick auf unseren kompletten Guide zur Position am Pokertisch.

Diagramm: 6-Max-Tischpositionen mit ungefährer Breite der Open-Raise-Ranges

6-Max-Positionen mit der ungefähren Breite der Open-Raising-Ranges

Frühe Position (UTG)

Under the Gun ist die tighteste Position am Tisch. Du bist preflop (nach den Blinds) als Erster an der Reihe und spielst gegen die meisten Caller out of position. GTO-Solver empfehlen, im 6-Max nur etwa 15% der Hände von UTG zu openen. Das bedeutet: fast ausschließlich Tier-1- und Tier-2-Hände, dazu die stärksten Tier-3-Hände wie 88 und ATs.

Mittlere Position (HJ)

Der Hijack opent mit rund 19% der Hände etwas weiter. Du kannst ein paar zusätzliche Suited Connectors und Broadways aufnehmen, musst aber selektiv bleiben – hinter dir sitzen noch drei Spieler, von denen jeder jederzeit mit einer starken Hand aufwachen kann.

Späte Position (CO und BTN)

Hier verdienst du dein Geld. Der Cutoff opent grob 27% der Hände, der Button teils 40% oder mehr. Vom Button hast du postflop garantiert Position auf die Blinds – dadurch werden Hände wie K9s, Q9s, J8s und kleine Suited Connectors zu profitablen Opens.

Die Blinds (SB und BB)

Der Small Blind steht vor einer besonderen Herausforderung: Du hast bereits einen halben Big Blind investiert, spielst postflop aber out of position. In den meisten GTO-Strategien 3-bettet oder foldet der SB und callt nur selten flat. Der Big Blind verteidigt wegen des Discounts sehr weit – du musst nur die Differenz zwischen deinem bereits geposteten Blind und dem Raise callen. BB-Defense-Ranges erreichen gegen einen Min-Raise oft 40-50% der Hände.

Achtung:

Achtung: Verwende niemals einen starren Starthände-Chart, ohne ihn an deine Position anzupassen. K9o von UTG genauso zu spielen wie vom BTN ist einer der schnellsten Wege, am Tisch Geld zu verlieren.

Häufige Fehler bei der Starthandauswahl

Auch erfahrene Spieler tappen bei der Starthandauswahl in typische Fallen. Hier sind die teuersten Fehler – und wie du sie vermeidest.

Fehler 1: Suited-Hände überbewerten

Ja, Suited-Hände sind besser als ihre Offsuit-Pendants. Aber suited zu sein bringt nur etwa 3-4% zusätzliche Roh-Equity. Der eigentliche Wert steckt in der Spielbarkeit – du kannst auf Flush-Draw-Boards weiterspielen und gelegentlich große Pötte gewinnen. Eine Hand wie J4s bleibt trotzdem furchtbar. Suited zu sein macht aus einer grundlegend schwachen Hand keine spielbare.

Fehler 2: Zu viele Hände aus früher Position spielen

Die Versuchung, endlich wieder einen Pot zu spielen, ist groß – gerade in einer Card-Dead-Phase. Aber Hände wie KTo oder QJo von UTG bringen dich viel zu oft in dominierte Situationen. Merke dir: In früher Position gilt tight is right. Deine Edge entsteht dadurch, dass du starke Ranges spielst, wenn du als Erster agieren musst.

Fehler 3: Das Gap-Konzept ignorieren

Das Gap-Konzept besagt, dass du für den Call eines Raises eine stärkere Hand brauchst als für den Raise selbst. Wenn UTG opent und du im HJ KJo hältst, solltest du folden – auch wenn du dieselbe Hand vom HJ selbst openen würdest. Die Range des Openers ist deutlich stärker, als es ein leerer Pot verlangen würde, also muss deine Calling-Range entsprechend tighter sein.

Fehler 4: Sich nicht an die Tischdynamik anpassen

GTO liefert das Fundament, aber deine Starthandauswahl sollte sich auch an deinen Gegnern orientieren. Gegen extrem tighte Spieler kannst du aus später Position öfter die Blinds stehlen. Gegen Maniacs, die häufig 3-betten, spielst du eine tightere Opening-Range und bereitest dich darauf vor, mit Premium-Händen zu 4-betten oder zu trappen. Mehr zu exploitativen Anpassungen findest du in unserem Guide zum Ausnutzen von GTO-Abweichungen.

Fehler 5: Zu oft aus dem Small Blind flat callen

Die moderne GTO-Theorie rät klar davon ab, aus dem Small Blind flat zu callen. Wenn du aus dem SB callst, spielst du den Rest der Hand out of position, in einem aufgeblähten Pot und mit einer gecappten Range. Setze stattdessen auf eine 3-Bet-or-Fold-Strategie aus dem SB. Das vereinfacht deine Entscheidungen und setzt den Opener maximal unter Druck.

Tipp:

Profi-Tipp: Wenn du unsicher bist, ob du eine Hand spielen sollst, folde im Zweifel. Das Geld, das du durch das Vermeiden marginaler Spots sparst, summiert sich deutlich stärker als die kleinen Gewinne aus Grenzfall-Händen.

Über den Chart hinaus: Wann du abweichen solltest

Starthände-Charts sind Stützräder, keine Dauerlösung. Je mehr du die GTO-Ranges verinnerlichst, desto mehr wirst du deine Auswahl anpassen – abhängig von:

  • Stack-Tiefe: Mit tiefen Stacks gewinnen Suited Connectors und kleine Paare an Wert (Implied Odds). Mit kurzen Stacks zählen High-Card-Hände (Showdown-Equity). Für Turnieranwendungen siehe unseren Guide zu Stack-Größen im MTT.
  • Gegner-Tendenzen: Gegen einen Spieler, der 80% der Zeit auf Raises foldet, kannst du aus später Position profitabel jede beliebige Hand openen.
  • Tischdynamik: Spielt der Tisch extrem tight, weite deine Ranges aus. Wenn die Spieler aggressiv 3-betten, spiele tighter und nimm mehr Trapping-Hände auf.
  • ICM-Überlegungen: In Turnieren nahe der Bubble oder am Final Table ändern sich die Anforderungen an Starthände wegen der Payout-Struktur dramatisch.

Trainiere mit GTO Preflop

Über Starthände zu lesen ist das eine – den Instinkt aufzubauen, sie unter Druck korrekt zu spielen, das andere. Der schnellste Weg, diese Ranges zu verinnerlichen, ist gezieltes Training.

GTO Preflop ist eine Trainings-App, die genau dafür entwickelt wurde. Sie präsentiert dir Preflop-Szenarien aus jeder Position und mit jeder Stack-Tiefe und bewertet deine Entscheidungen anhand Solver-geprüfter GTO-Ranges. Mit der Zeit werden korrekte Starthand-Entscheidungen so zum Automatismus – du triffst sie, ohne nachdenken zu müssen.

Hinweis:

Die wichtigsten Features:

  • Trainiere Opening-Ranges für alle 6 Positionen
  • Übe 3-Bet-, 4-Bet- und Squeeze-Szenarien
  • Verfolge deinen Fortschritt mit einem ELO-Rating
  • Analysiere deine Fehler mit detaillierten Hand-Reviews

Ob du als Anfänger deinen ersten Hand-Chart auswendig lernst oder als erfahrener Spieler Solver-geprüfte Ranges verfeinerst: Die Starthandauswahl zu meistern ist das Fundament für profitables Poker. Beginne mit den Premium-Händen, erweitere deine Ranges Richtung Button und höre nie auf, dich an Gegner und Situation anzupassen.

Bereit, dein Wissen auf die Probe zu stellen? Teste GTO Preflop noch heute kostenlos und trainiere die Preflop-Entscheidungen, auf die es wirklich ankommt.